Hi, Ich stelle hier mal mein Beiträge zu dem Mord in Dortmund nochmal zusammen, da Sie im Archiv untergehen würden und Ich das ganze für zu wichtig halte.

(Links fehlen, bin zu faul das einzubinden, wer die Links möchte muss im Archiv unter März/April schauen.)
Bot

Krasse Scheiße!

In Dortmund ist vorgestern ein Punker von einem Nazi erstochen worden.
Bin sehr wütend und auch traurig.
Das Fascho-Problem in Dortmund ist sowieso ziemlich massiv, die Entwicklung zeigt mal wieder wie notwendig antifaschistischer Widerstand ist.

Samstag 14Uhr Hauptbahnhof ist wohl ne Demo gegen Rassismus und rechte Gewalt.
Lassen wir´s krachen

Weiss echt nicht was Ich dazu sagen soll.

einfach große Scheiße!

kommt übrigens mal bitte Zahlreich nach Dortmund, normal kotzt es ja immer ziemlich an da, aber jetzt muss gehandelt werden.
30.03.05 06:14

Neuer Aufruf, mit mehr Hintergrund zur Dortmunder Fascho-Szene:
DO: Nach Nazi-Mord an Punk - Demo am Samstag

Als Reaktion auf die Ermordung eines antifaschistischen Punks durch einen Dortmunder Neonazi am Abend des 28.03. veranstalten das Bündnis Dortmund gegen Rechts (BGR) und antifaschistische Gruppen aus der Region am kommenden Samstag um 13:00 Uhr eine Gedenkkundgebung und Demonstration in der Dortmunder Innenstadt.

Mord

Am 28.03 gegen 19:00 Uhr trafen ein 17-Jähriger Dortmunder Neonazi und seine 16-Jährige Freundin in der U-Bahn Station Kampstraße mitten in der Dortmunder City auf den 32-Jährigen Punk Thomas S. Laut Aussage der Dortmunder Staatsanwaltschaft kam es dort zunächst zu einer verbalen Auseinandersetzung in deren Verlauf dann der Neonazi auf Thomas S. mit einem Messer einstach. Das Pärchen floh anschließend Richtung Hauptbahnhof und konnte von der Polizei verhaftet werden. Thomas S. verstarb noch am selben Abend im Krankenhaus.In ihrer Fahndungsmeldung beschrieb die Polizei den Täter wie folgt: "ca. 180 cm groß, korpulent, Glatze, 3-Tagebart, vermutlich Deutscher, schwarze Bomberjacke mit unbekantem Aufdruck, helle Jeans, klobige Schuhe". Laut Westfälischer Rundschau vom 30.März ist der Täter "der rechten Szene zuzuordnen", die Staatsanwaltschaft verschweigt auch zwei Tage nach dem Mord den politischen Hintergrund der Tat.Als erste Reaktion auf den Mord hielten etwa 70 FreundInnen und Bekannte des Ermordeten am gestrigen Nachmittag eine Gedenkkundgebung in der U-Bahnstation ab. Am Tatort erinnern Blumen
und Kerzen an Thomas S. Bereits während der Kundgebung versuchten eizelne Neonazis die Trauernden zu provozieren, einem anderen posting zufolge versuchten 10-15 Neonazis in der gestrigen Nacht die Gedenkstätte zu verwüsten, sie konnten allerdings von den Anwesenden vertrieben werden.
Dass der Mord ausgerechnet in Dortmund passierte ist kein Zufall. Während der Dortmunder Staatsschutz trotz zahlreicher Aufmärsche und Übergriffe noch keine feste Neonazi-Szene entdecken konnte, bezeichnet der Verfassungsschutz NRW die Dortmunder Neonazis als die aktivste und mit bis zu 60 Personen größte Szene in NRW.

Nazi-Attacken sind Alltag

Neonazistische Übergriffe auf Punks und MigrantInnen gehören in Dortmund zum Alltag, mit polizeilich geschützten Gegenkundgebungen versuchen die Neonazis regelmäßig antifaschistische Veranstaltungen zu stören. Erst am vergangen Freitag feierte die Dortmunder Neonazi-Szene im "Deutschen Hof" auf der Mallinckrodtstraße den Gründungstag der "Borussenfront". Trotz
Anwesenheit der Polizei konnten mehrere Neonazis einen Migranten verprügeln. Im späteren Verlauf des Abends wurden 21 Neonazis nach Auseinandersetzungen mit der Polizei verhaftet.

"Kameradschaft Dortmund"

Der Großteil der Dortmunder Neonazis ist in der "Kameradschaft Dortmund" organisiert, welche bundesweit bei allen wichtigen Szene-Events anzutreffen ist. Seit Jahren ist der Ex-FAPler Siegfried "SS-Siggi" Borchardt der führende Kopf der Gruppe. Ebenso wie Erich Dombrowski und
Karin Lenzdorf wohnt Borchardt in unmittelbarer Nähe des "Deutschen Hof".
Ein Teil des neonazistischen Nachwuchs orientiert sich unter dem Label "Autonome Nationalisten - Östliches Ruhrgebiet" in Kleidung und Auftreten an linker Symbolik. Die Gruppe um den aus Hamm zugezogenen Kader Didi Surmann und den Anti-Antifa Fotografen Dennis Giemsch zeigt sich als besonders umtriebig und ist für mehrere gewalttätige Übergriffe auf AntifaschistInnen erantwortlich. Mit dem Szene-Laden "Buy or Die" auf der Rheinischen Straße, betrieben vom Dortmunder Rechten Peter Voss, verfügen die Neonazis zudem über einen festen Anlaufpunkt wo sie rechte Musik und Kleidung wie z.B. T-Shirts welche die britische Neonazi-Terrorgruppe "Combat 18" huldigen, erstehen können. Die Begleitmusik zu Mord und Totschlag liefert die fest in europäische Blood & Honour Strukturen eingebundene RechtsRock-Band "Oidoxie" um Marko Gottschalk aus Dortmund-Brechten, die auch schonmal das verbotene RechtsRock-Lied "Hängt dem Adolf Hitler den Nobelpreis um" anstimmt.


Totschweigen seitens der Lokalpresse

Die öffentliche Berichterstattung über den Mord in den lokalen Medien beschränkt sich in allen Zeitungen auf kleine Artikel. Die zitierte Westfälische Rundschau bildet bereits die Ausnahme, wenn sie in einem Nebensatz auf den rechten Backround des Mörders verweist. Seit einigen Jahren gibt es zwischen Polizei und Medien die Absprache neonazistische Gewalttaten und Aufmärsche zu verschweigen. Fühlen sie sich tatsächlich einmal genötigt über die Aktivitäten der Neonazis zu berichten, so wird die rechte Bedrohung verharmlost. Zum Angriff auf den Migranten am
vergangenen Freitag- wie gesagt wurden 21 Neonazis im Laufe des Abends verhaftet- schafft es die Lokalpresse zu behaupten: "Zum Stand der Ermittlungen kann nicht von einem fremdenfeindlichen Hintergrund ausgegangen werden". Anstatt endlich einzusehen, dass das Beschweigen der Neonazi-Szene keineswegs dazu führt, die Aktivitäten oder die Attraktivität der Szene einzudämmen, es im Gegenteil eher zur Folge hat, dass nicht nur der Staatsschutz sondern auch der Großteil der Bevölkerung von der Bedrohung für all jene die wie Thomas S. nicht ins neonazistische Weltbild passen, nichts wissen will, wird auch im Falle des Mordes der
politische Hintergrund der Tat verschwiegen.

Demonstration

In Gedenken an Thomas S., aus Wut und Trauer über den neonazistischen Mord und die lokale Ignoranz gegenüber der von Neonazis ausgehenden Gefahr in Dortmund rufen antifaschistische Gruppen und das Dortmunder Bündnis gegen Rechts daher für den kommenden Samstag zu einer Mahnwache und Demonstration in der Dortmunder Innenstadt auf.

Die Mahnwache beginnt um 12:00 UHR am Tatort an der Kampstraße. Von dort startet anschließend um 13:00 Uhr die antifaschistische Demonstration.

Kein Vergeben - Kein Vergessen
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Neue Infos zu Dortmund:
Die 14Uhr Geschichte ist ein typisches Indymedia Gerücht, aber egal. Für 12Uhr ist ne Mahnwacvhe angemeldet um 13Uhr fängt die Demo an.
Hier die Pressemitteilung der Veranstalter vom BgR Dortmund:

*MAHNWACHE UND DEMONSTRATION AM 02.04.2005 IN DORTMUND*

_*GEGEN DAS „TOT“SCHWEIGEN!!*_

Aus Anlass des politischen Mordes, bei dem ein vorbestrafter 17-jähriger Neonazi am Ostermontag am U-Bahnhof Kampstraße einen Punker erstochen hat, ruft das BÜNDNIS Dortmund GEGEN RECHTS zu einer Mahnwache sowie zu einer Demonstration auf.

Die Mahnwache beginnt mittags um 12 Uhr am U-Bahnhof Kampstraße.

Um 13 Uhr startet von dort eine Demonstration, die durch die nördliche Innenstadt führt, um schließlich wieder an der Kampstraße zu enden.

Alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt Dortmund sind aufgerufen, daran teilzunehmen!

In den letzten Jahren haben Aktivitäten der Dortmunder Nazi-Szene stark zugenommen. Jüdische Friedhöfe wurden geschändet, es gab Aufmärsche der extremen Rechten, sie führten spontane Aktionen in der Innenstadt durch, verübten einen Buttersäure-Anschlag auf die so genannte Wehrmachts-Ausstellung, wurden gewalttätig gegenüber Andersdenkenden oder Andersaussehenden und drohten zuletzt unverhohlen im Internet:


„Wie schon in der Vergangenheit bewiesen, werden wir es nicht zulassen, daß auch nur eine einzige Veranstaltung linker und antifaschistischer Kreise in dieser Stadt unbeobachtet, unkommentiert und vor allem ungestraft über die Bühne gehen wird.“
Quelle fw forum

Tatsächlich versuchten die Neofaschisten bereits drei antifaschistische Veranstaltungen zu stören. Zuletzt wollten sie eine Zeitzeugenveranstaltung mit der Widerstandskämpferin Lore Junge verhindern und demonstrierten unter dem Motto „Weg mit dem BÜNDNIS Dortmund GEGEN RECHTS“ durch Dortmunds Nordstadt.

Die Stadt Dortmund versuchte bislang, diese Entwicklung zu verschweigen. „Tot“schweigen könnte man sagen. Angeblich, um die Rechtsextremisten nicht aufzuwerten, in Wahrheit aber wohl eher besorgt um das Ansehen der Stadt.

Nun ist einer tot! Nicht trotz, sondern wegen des Schweigens!

Rechtsextremismus muss benannt werden. Wir müssen ihm offensiv entgegentreten.

Wir werden nicht zulassen, dass dieser Mord von Seiten der Stadt und der Justiz-Behörden als unpolitisch dargestellt wird. Er ist der traurige Höhepunkt einer erkennbaren Entwicklung, die gestoppt werden muss. Mit unserer Demonstration wollen wir dem Opfer, Thorsten Schulz gedenken sowie die Öffentlichkeit für diese Thematik schaffen.


Sprecherrat BÜNDNIS Dortmund GEGEN RECHTS
30.03.05 14:01


Hi, hab die Demo ganz gut überstanden, waren ungefähr 3000-4000 Leute würde Ich schätzen. Viele Antifas, auch welche die mensch länger nicht gesehen hat, dass war gut.*g*
Die Stimmung lies leider etwas zu wünschen übrig, war eigentlich zu freundlich, wahrscheinlich wegen dem guten Wetter. Ugly hab ich leider nicht getroffen, muss aber gestehen das Ich auch nicht gründlich gesucht hab.
Von den auf Indy beschriebenen Riots hab ich leider nix mehr mitbekommen, wir sind wohl ein paar Minuten zu früh zum Bahnhof gegangen.
Naja, war ganz nett und es war auch ganz gut das wegen dem Mord soviele Leute da waren.
Hab heute noch geschätzt, das höchstens 1000Leute kommen.

mag Bot
...
Bullenbericht:

Bis gegen 12.20 Uhr hatten sich am Versammlungsort Kampstraße in
der Dortmunder Innenstadt ca. 700 Versammlungsteilnehmer eingefunden.
Ein Teil von Ihnen war mit öffentlichen Verkehrsmitteln auch aus
anderen Städten angereist.
Zu Störungen bei der Anreise bzw. am o.a. Ort kam es bisher nicht.

Um 12.40 Uhr begann am Versammlungsort Kampstraße in der
Dortmunder Innenstadt vom Veranstalter der erste Redebeitrag. Bis
12.50 Uhr haben sich rund 1.000 Teilnehmern eingefunden, davon ca.
600 Punkern. Nach Beendigung der Redebeiträge um 13.10 Uhr setzte
sich der Aufzug mit nun 2100 Teilnehmern wie geplant in Bewegung.
Bisher verlief die Veranstaltung ohne Störungen.

Um 13.52 Uhr begann im Blücherpark in Dortmund die erste von zwei
geplante Zwischenkundgebungen. Diese endete um 14.05 Uhr. Die
Versammlung verlief bisher störungsfrei. Die Teilnehmerzahl beträgt
immer noch 2.100 Personen. Die ursprünglich geplante zweite
Zwischenkundgebung fand nicht statt.

Um 14.45 Uhr begann an der Kampstraße in Dortmund die
Abschlusskundgebung. Zwischenzeitlich hatten schon erste
Versammlungsteilnehmer die Versammlung in Richtung Hauptbahnhof
verlassen. Die Versammlung endete ohne besondere Vorkommnisse um
14.53 Uhr.

alles:www.polizeipresse.de(will Ich nicht verlinken.)
02.04.05 18:43

WAZ Dortmund:
Friedlicher Protestmarsch gegen Rechts

"Ich bin überwältigt von der Zahl der Teilnehmer. Mir fehlen die Worte. Der einzige Wermutstropfen: Schmuddel ist nicht dabei."

Mit einem dicken Kloß im Hals und sichtlich bewegt, greift Helmut Manz vom "Bündnis gegen Rechts" am Samstag gegen 15 Uhr zum Mikrophon. Drei Stunden lang zogen 2100 Demonstranten - erwartet worden waren etwa 500 - durch die Nordstadt. Friedlich, diszipliniert. Sie trauerten um den von einem mutmaßlichen Neonazi ermordeten Punker "Schmuddel", so der Spitzname des Opfers Thomas S. (32). Leider war es nicht der einzige "Wermutstropfen", dass "Schmuddel" fehlte. Denn dass Minuten nach Beendigung der friedlichen Demonstration rund 200 Autonome der linken Szene ohne jeglichen Anlass über den Westenhellweg stürmten, konnte Manz da noch nicht ahnen. Mülltonnen gingen zu Bruch, 46 mit schwarzen Kapuzenjacken bekleidete Chaoten wurden festgenommen. Ein Polizist wurde leicht verletzt. Dann kehrte schlagartig Ruhe ein, jene Ruhe, die während des Protestzuges durch die Nordstadt nicht einmal unterbrochen wurde. Zu der befürchteten Konfrontation mit Rechten kam es nicht. Um kein Risiko einzugehen, hatte die Polizei die Demonstration allerdings auch leicht umgeleitet. Auf eine zweite Zwischenkundgebung vor der Steinwache wurde verzichtet.

Zurück zur Kampstraße, vor dem Eingang zur U-Bahnstation, dem Tatort. In einer Stunde soll der Trauermarsch losgehen. Eine Stunde Zeit, um in sich zu kehren, seine Wut herauszulassen. "Ich kann das nicht glauben, echt nicht", sagt eine junge Punkerin, schüttelt ihren bunten Igelkopf, stellt dabei eine volle Bierflasche auf die eilig neu errichtete Gedenkstätte. Alkohol ist bei der Demo verboten - "Schmuddel" hätte die Flasche nicht verschmäht. Vor den vielen Blumen und Kerzen liegt ein rotes T-Shirt. Aufschrift: "Akzeptier mich so, wie ich bin. Oder ignorier mich."

Der Lindwurm, der sich wenig später von der Kampstraße über das Westentor Richtung Schützenstraße in Marsch setzt, er sieht rein farblich so aus: schwarz, rot - und hinten bunt: Vorn, direkt hinter der Polizei und stets unter Beobachtung: die Autonomen. Dann mit roten Fahnen verschiedene antifaschistische Gruppen. Ganz hinten die verrückt-bunten Punker. "Für die Freiheit, für das Leben, Nazis von der Straße fegen" - hallt es vorne. Die "Punks" hören hin, einmal, zweimal, brüllen dann mit. Auf den Balkonen der Nordstadt: Neugierige Bewohner, manche applaudieren, manche schließen das Fenster - man kann ja nie wissen. Ein Seniorenpaar am Blücherpark hält sich die Ohren zu, als der Zug zur Zwischenkundgebung hält. Und stößt sich fast begeistert an, als es unter ihrem Fenster einen Punk mit rekordverdächtig hohen Stacheln auf dem Kopf entdeckt. An der Kreuzung Mallinckrodtstraße taucht kurz in der Ferne Neonazi-Anführer "SS-Siggi" Siegfried Borchardt mit einem braunem Gesinnungsgenossen auf. Zur Konfrontation kommt es nicht: Borchardt zieht sich unentdeckt zurück.

Während sich oben an der Kampstraße die Demo friedlich auflöst, legen einige Punker unten in der U-Bahn noch einmal Blumen auf den Boden. Eine ältere Dame fragt, warum. Als die Punks ihr von Schmuddels Tod erzählen, stützt sie sich auf ihren Stock, sagt tief betrübt: "Ist man denn nirgendwo mehr sicher?" K.M.
03.04.2005

Und nochmal die WAZ:
Bitterer Nachgeschmack

Es war ein gefährliches Gemisch, das sich bei der Demo zum Tode des von einem Neonazi ermordeten Punkers zusammenbrodelte: Ein Gemisch aus Trauer, Wut und Angst. Trauer um einen ermordeten Kumpel, Wut über die Intoleranz und Brutalität einer politischen Minderheit. Und Angst vor weiteren Übergriffen dieser Minderheit.

Eine höchst angespannte Situation, zumal nicht ausgeschlossen werden konnte, dass Rechtsradikale auftauchen: um zu provozieren, zu randalieren. Doch der Marsch durch die Stadt zu Ehren des Opfers "Schmuddel" - 500 Menschen wurden erwartet, beeindruckende 2100 kamen - er war eine Demonstration der Fairness, der Toleranz und des Friedens. Was zum einen an der Disziplin der Teilnehmer lag, zum anderen auch an der souverän und gelassen reagierenden Polizei. Da wurde geflissentlich weggehört, wenn in den Reihen der Buntgescheckten flappsige Bemerkungen fielen; die Eskorte der Beamten an der Seite, sie sah eher wie ein freundschaftlicher Spaziergang aus. Das vielbewährte Konzept der Deeskalation ging wieder auf.

Um so trauriger, dass kurz nach dem Ende der Demo rund 200 Autonome die Situation ausnutzten, um in der City Angst und Schrecken zu verbreiteten. Bei vielen ahnungslosen Passanten, die Samstagnachmittag über den Westenhellweg schlenderten, bleibt der Eindruck von furchteinflößenden schwarzen Kapuzen, die rücksichtslos auf sie losstürmten. Das macht, bei aller Freude über die friedlich verlaufende Demonstration, einfach wütend.
03.04.2005 Von Kathrin Melliwa

Und noch die WR:
Ausschreitungen nach großer Punker-Demo
GN) Nach einer zunächst friedlichen Demo von Punks, Antifaschisten und ausländischen Gruppierungen durch die Nordstadt stürmten am Samstagnachmittag rund 200 Personen in die Fußgängerzone, wo es einzelne Körperverletzungen und kleine Sachbeschädigungen gab. 46 Personen nahm die Polizei fest.

Eine bunte Demonstrantenschar hatte sich aus Anlass der Ermordung eines 32-jährigen Punks am Samstagmittag an der Kampstraße getroffen. Schillernde Irokesenfrisuren, Rastalocken, sowohl schwarze, nietenbesetzte Lederjacken und Kapuzenpullis als auch Leute in Militäruniformen, dazwischen außerdem viele völlig normal gekleidete ältere Teilnehmer, die teilweise aus Braunschweig und Magdeburg angereist waren - sie alle einte die Wut auf die Ermordung des 32-jährigen Dortmunders durch einen 17-Jährigen. Die Stadt und auch die Polizei habe das rechtsradikale Treiben in der Stadt viel zu lange geduldet, hieß es.

"Schmeißt die Nazis ´raus", hieß es dann, als der lange Protestzug über die Schützenstraße in die Nordstadt zog.

"Kein Vergeben, kein Vergessen", wurden die Demonstranten lauter, als sie in die Nähe des "Deutschen Hofes" kamen. Hier sollen sich die Neonazis immer wieder treffen und auch ihren Nachwuchs rekrutieren. Junge Leute, so wie den vorbestraften, mutmaßlichen Täter, der mit einem gezielten Messerstich ein Menschenleben auf dem Gewissen hat.

Dieser brutale Zwischenfall wird von beiden Seiten in Erklärungen nun zur Machtfrage hochstilisiert. Entsprechend groß war am Samstag das Polizeiaufgebot. In allen Nebenstraßen der Nordstadt standen Polizeifahrzeuge aus ganz NRW - von Köln bis Münster. In einer Ansprache hatte ein Polizeisprecher der Demo einen friedlichen Verlauf gewünscht. Als die Protestler um 15 Uhr zu der Gedenkstätte mit Kerzen, Blumen und Anschreiben zurückkamen, rannten plötz- lich 200 Personen zum Westenhellweg und leisteten sich Übergriffe. Die Polizei zögerte nicht lange, nahm 38 Personen in Gewahrsam und 46 in Haft. Zu weiteren Zwischenfällen kam es nicht. Die Mahnwache wurde anschließend friedlich beendet.
03.04.2005
04.04.05 01:18